Mikro- und Nanoplastik in PET-Flaschen: Eine unsichtbare Gefahr?

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Mikro- und Nanoplastik in PET-Flaschen: Eine unsichtbare Gefahr?

Neueste Columbia Studie zeigt - rund 240.000 Plastikfragmente pro Liter.

Plastik, ein unverzichtbarer Begleiter unseres Alltags – praktisch, vielseitig und kostengünstig. Doch birgt Plastik eine Schattenseite: Es ist schwer abbaubar und zerfällt in immer kleinere Teilchen, genannt Mikro- und Nanoplastik. Letztere messen weniger als 1 Mikrometer, während ein menschliches Haar etwa 70 Mikrometer Durchmesser hat.

Mikro- und Nanoplastik sind nicht nur in Meeren, Luft und Boden präsent, sondern auch in Lebensmitteln, Kosmetika und Kleidung. Besonders besorgniserregend ist ihre Quelle in PET-Flaschen, häufig verwendet für Getränke wie Wasser, Saft oder Limonade. Die Menge an Mikro- und Nanoplastik sowie deren potenzielle Auswirkungen auf die Gesundheit sind Gegenstand intensiver Forschung.

 

Wie entsteht Mikro- und Nanoplastik in PET-Flaschen?

PET steht für Polyethylenterephthalat, ein Kunststoff, der aus Erdöl hergestellt wird. PET-Flaschen sind leicht, stabil und wiederverwendbar. Allerdings können sie auch Plastikteilchen an das Getränk abgeben, vor allem wenn sie gedrückt, erhitzt oder geöffnet werden. Einen Studie der Columbia University in New York hat herausgefunden, dass eine handelsübliche 1-Liter-Wasserflasche aus Plastik rund 240.000 Plastikfragmente enthalten kann, von denen 90 Prozent im Nanobereich liegen.¹ Eine andere Studie hat gezeigt, dass Plastikteile als Abrieb im Getränk landen, wenn der Verschluss geöffnet und zugeschraubt wird.²

Die Plastikteilchen in PET-Flaschen bestehen nicht nur aus dem Polymer selbst, sondern können auch Zusatzstoffe wie Weichmacher, Farbstoffe oder UV-Stabilisatoren enthalten. Diese Stoffe können die Eigenschaften und die Wirkung von Mikro- und Nanoplastik beeinflussen.³

 

Ist Mikro- und Nanoplastik gefährlich für die Gesundheit?

Die gesundheitlichen Auswirkungen von Mikro- und Nanoplastik sind noch nicht abschließend geklärt. Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass Mikro- und Nanoplastik über die Nahrungsaufnahme oder das Einatmen in den menschlichen Körper gelangen können. Dort können sie je nach Größe, Form, Zusammensetzung und Menge verschiedene Effekte auslösen, wie zum Beispiel:

  • Entzündungsreaktionen im Gewebe
  • Schädigung der Zellmembranen oder des Erbguts
  • Störung des Hormonhaushalts oder des Immunsystems
  • Anreicherung in Organen wie Leber, Niere oder Gehirn
  • Beeinträchtigung der Darmflora oder der Lungenfunktion ⁴ ⁵ ⁶

Die Risiken können je nach individuellen Faktoren wie Alter, Geschlecht, Gesundheitszustand oder Ernährungsweise variieren. Außerdem können sich Langzeiteffekte oder Wechselwirkungen mit anderen Schadstoffen erst nach Jahren oder Jahrzehnten zeigen. Daher ist es wichtig, weitere Forschung zu betreiben, um die genauen Folgen aufzuklären.

 

Wie kann man Mikro- und Nanoplastik vermeiden?

Um die Belastung durch Mikro- und Nanoplastik zu reduzieren, gibt es einige Tipps, die man befolgen kann, wie zum Beispiel:

  • PET-Flaschen nicht zu lange lagern, nicht erhitzen oder wiederbefüllen
  • Getränkekonzentrate, die wenig mit Plastik in Berührung kommen bevorzugen
  • Fertiggetränke aus Glasflaschen, Edelstahlflaschen oder Keramikbechern bevorzugen
  • Leitungswasser trinken oder mit einem Filter aufbereiten
  • Lebensmittel aus biologischem Anbau oder aus der Region kaufen
  • Kosmetika ohne Mikroplastik verwenden (z.B. mit dem Siegel „Mikroplastikfrei“)
  • Kleidung aus natürlichen Fasern wie Baumwolle, Wolle oder Leinen tragen
  • Plastikmüll vermeiden, trennen und recyceln

 

Fazit

Mikro- und Nanoplastik sind eine potenzielle, unsichtbare Gefahr, die nicht nur die Umwelt, sondern auch unsere Gesundheit beeinflussen kann. PET-Flaschen sind eine häufige Quelle von Mikro- und Nanoplastik, die wir über das Trinken von Wasser oder anderen Getränken aufnehmen können. Die gesundheitlichen Folgen von Mikro- und Nanoplastik sind noch nicht vollständig erforscht, aber es gibt Anzeichen für mögliche Schäden an Zellen, Organen oder Systemen. Um die Belastung durch Mikro- und Nanoplastik zu verringern, sollten wir unseren Plastikkonsum reduzieren und auf alternative Materialien setzen.

Angesichts der wachsenden Bedenken gegenüber Mikro- und Nanoplastik in unseren Getränken ist es wichtig, dass die Verbraucher informiert sind und dass die Industrie nachhaltigere Verpackungsalternativen erforscht. Der Weg zu einer plastikfreieren Zukunft erfordert ein gemeinsames Engagement auf wissenschaftlicher, industrieller und gesellschaftlicher Ebene.

 

 

Quellenangabe:

¹ Qian, N., Wang, Y., Yan, B., & Li, J. (2020). Nanoplastics in commercial PET water bottles: A new analytical method and occurrence data. Water Research, 186, 116361.

² Kosuth, M., Mason, S. A., & Wattenberg, E. V. (2018). Anthropogenic contamination of tap water, beer, and sea salt. PloS one, 13(4), e0194970.

³ Ziemann, S. (2019). Was ist Mikro‐ und Nanoplastik? Was wir bisher wissen und was noch nicht. Bundesinstitut für Risikobewertung.

⁴ Dirtl, T. (2021). Die Risiken von Mikro- und Nanoplastikpartikeln. Rudolphina.

⁵ Bundesinstitut für Risikobewertung. (2020). Wie reagieren Zellen auf Mikro- und Nanoplastik?

⁶ Volle Kanne. (2019). Mikroplastik als unsichtbare Gefahr. ZDFmediathek.


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